Compulsive Checking. Oder: Warum Bildschirmzeit allein nicht das Problem ist

Viele kritisieren, dass wir zu lange in den Bildschirm schauen. Doch das allein ist noch nicht problematisch. Wir müssen auch die Art der Nutzung im Auge behalten. Und vor allem: Wie oft wir das Smartphone in die Hand nehmen.


Wenn wir von übermässigem, digitalem Konsum sprechen, sprechen viele von einer langen Smartphone-Nutzungsdauer. Tatsächlich steigt diese seit Jahren massiv an. Aktuell liegt unsere tägliche Bildschirmzeit bei einem weltweiten Durschnitt von 7 Stunden.


Soweit, so problematisch, wenn dadurch weniger Zeit für das bleibt, was uns langfristig glücklich macht und uns Sinn stiftet: Hobbies, Natur, Abschalten, Freunde, Beziehung, Sauerteigbrot, solche Dinge. Denn, und darüber werden wir hier noch öfter sprechen: Mehr Zeit am Screen bedeutet für viele von uns auch, dass weniger oder gar keine Zeit mehr bleibt für Dinge, die wir eigentlich tun wollten und die uns im Grunde sehr wichtig sind. Und uns fordern, uns wachsen lassen.


Doch neben der reinen Dauer sind zwei weitere Faktoren ausschlaggebend dafür, wie es um unsere Nutzung steht: Die Art der Nutzung, also welche Inhalte wir konsumieren und ob wir passiv konsumieren oder aktiv gestalten, sowie das so genannte compulsive checking.


Das Phänomen des compulsive checkings bedeutet auf Deutsch nichts anderes als den Zwang, das Smartphone in kurzen Abständen immer wieder zu checken. Viele von uns sind davon betroffen. Studien zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen vermehrtem Smartphone-Gebrauch und zwanghaftem Verhalten besteht.


Wichtig: Es ist nicht per se das Smartphone, das zwanghaftes Verhalten befeuert, sondern es sind gewisse Apps. In aller Regel Social-Media-Apps.


Du kennst das sicher von dir selbst: Du checkst dein Gerät immer und immer wieder, obwohl du dir vielleicht selbst gesagt hast, dass du es mal beiseite lassen willst. Oder, obwohl nichts Neues reingekommen ist.


Doch warum ist das so?


Unter anderem deshalb, weil es für den Menschen einfacher zu ertragen ist, alle paar Minuten etwas abzuarbeiten als nichts zu tun. Eine Studie aus dem Jahr 2014 gab Probanden zwei Möglichkeiten: 15 Minuten lang nichts zu tun oder sich kleine Elektroschocks zu verpassen. Die Mehrheit verabreichte sich Schocks, die weh taten.


Und: Wir checken das Smartphone nicht nur aus Freude, sondern vor allem auch aus Angst, wie Forscher*innen wie der amerikanische Professor Larry Rosen betonen (Das Interview mit Larry Rosen kannst du hier im Blog nachlesen). Wir wollen sozial nicht ausgeschlossen sein, wollen nichts verpassen, niemanden vor den Kopf stossen. Also checken wir alle paar Minuten, ob da nicht was gekommen ist, das uns bestätigt oder abgearbeitet gehört. Ein Loop entsteht.


Wenn es also um deinen Smartphone-Konsum geht, ist wichtig, dass du für dich selbst beobachtest, welche Tendenzen du hast. Bist du zu lange online? Konsumierst du zu einem Grossteil Dinge, die du vielleicht gar nicht als bereichernd empfindest? Oder checkst du das Smartphone zwanghaft alle paar Minuten, obwohl da nichts Neues auf dich wartet? Welches Verhalten belastet dich und zieht dir Lebensenergie und Zeit ab?

Hier kann für eine erste Übersicht zu deinem Ist-Zustand auch die Tabelle helfen, die ich dir im Workbook zusammengestellt habe. Mit ihrer Hilfe kannst du dir einen ersten Überblick über deine digitalen Gewohnheiten verschaffen. Das gratis Workbook runterladen kannst du hier.


Je nachdem, wovon du am stärksten betroffen bist, helfen andere Tools und Tricks, um dich langsam, aber sicher in eine grössere, digitale Balance zu bringen.


Weitere Infos, Tipps und Tricks für mehr digitale Balance kriegst du hier im Blog oder über ein Coaching bei mir. Anfragen über hello@digitalbalancelab.com.


Wie du eine Smartphone-Sucht erfolgreich brechen kannst, liest du unter anderem hier in einem guten Artikel des "The Atlantic" (englisch).