#on authenticity.

Wir sehnen uns alle nach Authentizität. Im echten Leben und auf Social Media zeigen wir uns oft dann aber doch ganz anders, als wir eigentlich sind. Dabei ist gerade jetzt der ideale Zeitpunkt für mehr Echtheit.





Ich will authentisch sein. Mich selbst. Was auch immer das bedeutet. Ich möchte so wahrgenommen werden, wie ich mich innerlich fühle, irgendwas muss in Einklang sein, im Innen und Aussen. Ich will mich nicht verstellen, soweit der Plan. Wie oft wünschen wir uns das im Innersten, einfach mal sein können, wie man ist, nicht performen, keine Filter übers Leben legen, einfach mal:


randomly trying.


Authentizität ist nach Definition die Übereinstimmung von Schein und Sein. Wir haben das manchmal, dass wir vor jemandem stehen und er sich authentisch anfühlt, egal, was er gerade macht, ob wir ihn blöd finden oder gut, er fühlt sich irgendwie echt an, unverrückbar bei sich. Diese Leute ziehen einfach ihr Ding durch, und irgendwie spüren wir das. Und wollen mit ihnen gehen.

Ironischerweise haben wir uns in den letzten Jahren im Internet nicht so viel Authentizität bewahrt, inmitten all der Möglichkeiten, die uns an die Hand gegeben wurden, uns und unsere Inhalte endlos kuratieren können, unsere Bilder, unsere Sätze, jetzt, wo wir scheinbar alles unter Kontrolle haben, eine Corporate Identity so wichtig, jetzt, wo alle so professionell unterwegs sind und wir manchmal das Gefühl haben, wir hadern mit unserer Inperfektion ganz allein. Als wüssten nur wir nicht, wie's wirklich geht.


Dabei schreien wir in den Sozialen Medien, als Konsumentinnen, als Liebespartner, als Vater alle nach Authentizität. Sie ist es, in die wir uns verlieben, sie ist es, was von den job huntern gesucht wird, sie ist es, die am Ende den Unterschied macht zwischen random pr content und echtem Inhalt.


Wenn wir darüber nachdenken, wie wir uns präsentieren, im Leben und online, wenn wir darüber nachdenken, wem wir folgen wollen und wem zuhören, mit wem wir uns umgeben wollen und was uns hilft, mehr zu uns stehen zu dürfen, dann dürfen wir Authentizität fordern. Mehr Echtheit. Mehr Wahrheit. Mehr Verletzlichkeit.

Die Zeiten, in denen wir online alle so taten, als hätten wir das perfekte Leben und alles im Griff, hat Corona sowieso dahingerafft. Wir sitzen mit fettigen Haaren vor irgendwelchen Bildschirmen und es ist okay, wenn wir nicht durchperformen, es ist okay, wenn wir Jogginghose tragen, und es ist auch okay, wenn wir mal die Nase voll haben. Nichts ist mehr perfekt.


Eine Chance, eine digitale Kultur zu leben, die von mehr Echtheit und Offenheit geprägt ist.


Ich möchte mit dem Digital Balance lab einen bescheidenen, sehr unperfekten, ersten Anfang machen. Ich habe mir keinen 6-Monatsplan aufgeschrieben und keine Social-Strategie überlegt, ich habe keine Leute angeheuert und ich habe auch gerade kein 5-Punkte-so-bist-du-weniger-online-PDF gestaltet. Noch nicht.


Der Rest ergibt sich ganz organisch, mit der Zeit. Mit euch, mit mir.


Doch: Wie geht das eigentlich, authentisch sein?


Authentizität ist innerhalb der Positiven Psychologie eine der 24 Charakterstärken nach Seligman. Authentische Menschen stehen zu sich selbst, ihren Werten und Überzeugungen, sie sagen die Wahrheit und handeln aufrichtig. Sie zeigen sich echt und täuschen nicht etwas vor, was sie nicht sind.


Seligmans Gratis-Test zur Frage, welche Charakterstärken du hast, gibt's hier.


Die gute Nachricht: Authentizität können wir üben.
Doch: Wo fangen wir an?
  1. Mit dem Test, beispielsweise. Er ist ein kleiner erster Schritt in genau die richtige Richtung. Denn wenn wir authentischer sein wollen, dürfen wir vor allem mal: Uns selbst besser kennen lernen. Informiere dich. Beginne, dich mit dir selbst auseinander zu setzen. Beginne beispielsweise damit, täglich ein paar Minuten zu reflektieren, wie du dich fühlst, wie dein Tag war, was dich beschäftigt. Was dir Energie gibt und was dich unzufrieden macht.

  2. Erkenne, in welchen Situationen und Bereichen du dich nicht authentisch verhältst. Wovor schützt du dich? Wer oder was hindert dich daran?

  3. Überlege dir für den Anfang einen konkreten Lebensbereich oder eine konkrete Beziehung, in der du dich authentischer geben willst. Wenn dir das zu viel ist, dann kannst du auch einfach für dich "allein" authentisch sein üben. Indem du beispielsweise eine Tätigkeit ausübst, von der du bisher dachtest, sie sei komisch, peinlich oder sonstwie unpassend, auch wenn du insgeheim Lust darauf hattest. You don't need to tell anyone.

  4. Komm ins Handeln. Zeig dich beim nächsten Treffen zehn Minuten lockerer von deiner lustigen Seite oder mach mal einen Spruch zu viel, poste was, von dem du nicht sicher bist, wie es ankommt, das dir aber am Herzen liegt. Und schau ganz konkret, was passiert. Die Welt wird wahrscheinlich nicht untergehen. Und du hast dich einen Schritt mehr zu dir selbst hingewagt.


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