#digi:tales 01 /lost in plastic.



Du hörst dich so leicht an, so nah. Als würdest du mir noch ein kleines Geheimnis ins Ohr flüstern, so, als sässen wir zuhause vor dem Haus auf einer alten Bank und du hättest deinen Rücken gegen die heisse Steinwand gelehnt und würdest mir nun dein letztes Geheimnis anvertrauen, nämlich, dass es gar keines gibt, weil du gern teilst, und dann würdest du lachen und dich amüsieren ob meiner Verdutztheit, weil du weisst, dass ich Spass nicht von Ernst unterscheiden kann, weil ich Ironie nicht kenne, Zwischentöne nicht.


Jetzt ist da also noch deine Stimme, und du, du bist weg. Ich frage mich, ob du eine Seele hattest, und wenn ja, wo sie jetzt steckt. Vielleicht steckt sie genauso wahrscheinlich in meinem Mobiltelefon drin, wie sie jemals in deinem Körper hockte, vielleicht sind Körper aus Fleisch und solche aus Plastik am Ende dasselbe, Hüllen für etwas, das es nur gibt, solange wir ihm Bedetung beimessen.


Deine Stimme. Eine Erinnerung. Ein Kondensat. Auf dieser Mailbox, die es gar nicht gibt. In meinem Kopf bist du, und in mir drin, ich spüre dich physisch, weiss aber nicht, spüre ich dabei dich oder mich.